ZDF - Zahlen, Daten und Fakten zum Rückenschmerz
Die Zahl der Rückenschmerzpatienten ist in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen, so das Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage des BKK Bundesverbandes im Jahr 2008. Dabei hat sich die Zahl der täglich von Rückenschmerzen betroffenen Patienten innerhalb der vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt: Klagten 1998 lediglich 6% der Befragten über tägliche Rückenschmerzen, so waren dies im Jahr 2008 bereits 15%. Die schmerzfreien Episoden werden zudem immer kürzer. In einer Befragung des YouGov im Jahr 2010 von mehr als 1000 Frauen und Männern über 18 Jahre in Deutschland gaben 31% der Befragten an, unter "chronischen Rückenschmerzen" zu leiden. Mehr als 45% der vom Ifo Allensbach Instituts befragten Männer und Frauen über 14 Jahre geben an, in den letzten 3 Monaten rezeptfreie Schmerzmedikamente genommen zu haben. 16,1% der Schüler zwischen 10 und 21 Jahren geben in einer Umfrage der DAK an, mehrmals in der Woche oder täglich Rückenschmerzen zu haben.
Der Umfang der ärztlich verordneten Maßnahmen nimmt dabei laut BKK Bundesverband 2008 deutlich zu:
- 64% der Patienten erhielten im Jahr 2008 verornungspflichtige Medikamente (1998 waren dies 47%),
- 61% der Patienten wurden im Jahr 2008 Krankengymnastik verschrieben (1998 waren dies 22%),
- 49% der Patienten wurde im Jahr 2008 Massage verschrieben (1998 waren dies 46%),
- 44% der Patienten erhielten im Jahr 2008 Spritzen (1998 waren dies 49%),
- 27% der Patienten wurden chiropraktisch behandelt (1998 waren dies 7%) und
- seit der gesetzlichen Abrechnungsfähigkeit der Akkupunktur ist auch diese Maßnahme sprunghaft angestiegen
- in den letzten 5 Jahren (2004 - 2009) hat sich die Anzahl der Fusions-(Versteifungs-) Operationen mehr als verdoppelt (+ 220%), während die Bandscheibenoperationen um ca. 43% angestiegen sind.
Von namhaften Wissenschaftlern wird der aus ihrer Sicht unverantwortbare Umgang mit Rückenschmerzen in den letzten 50 Jahren als das größte medizinische Desaster des 20. Jahrhunderts bezeichnet (vgl. Prof. Dr. J. Hildebrandt, Sprecher der Europäischen Leitlinienkommision chronischer Rückenschmerz).
Das Ausmaß des Gesundheitsproblems "Rückenschmerzen" wird anhand der Tatsache deutlich, dass ca. 4% der gesamten Arbeitskraft bzw. der Produktivität in Deutschland aufgrund von Rückenschmerzen verloren geht (vgl. Prof. Dr. H. Göbel, 2001)

