Stand des Wissens und Folgen für die Umsetzung in der MRB®
Aus der aktuellen Schmerzforschung ist bekannt, dass selbst schwache Schmerzen auf Dauer ein Schmerzgedächtnis prägen können. Je länger die Schmerzsymptomatik andauert, desto notwendiger ist es, die Therapie so lange durchzuführen, bis der Schmerz weitgehend abgenommen hat. Therapieziel ist es, den Patienten zu einem angemessenen Schmerz- und Bewegungsverhalten in der Freizeit und im Beruf zu befähigen, auch wenn die Therapie beendet ist. Das gelingt jedoch nur, wenn biologische, psychologische und soziale Aspekte beachtet werden.
Bei chronischen Rückenschmerzpatienten sind die Belastungstoleranz und Regenerationsfähigkeit nur noch unterdurchschnittlich entwickelt. In der MRB® wird daher mit einer individuell angepassten Belastungsintensität vorgegangen. Der Behandlung geht eine intensive Eingangsdiagnostik voraus, in der das persönliche Schmerzempfinden und auch die individuelle Schmerzakzeptanz des Patienten durch Befragungen und Messungen ausgelotet werden. Ausschließlich staatlich zugelassene Physiotherapeuten führen die Behandlung durch. Sie haben eine theoretisch wie praktisch geprüfte Zusatzausbildung in der Multimodalen Rückentherapie nach Beermann®. Zudem haben sie die Weiterbildung in der schmerzpsychologischen Beratung von Rückenschmerzpatienten absolviert (Pain Risk Counseller, Prof. Dr. M. Hasenbring).
Für die Wirksamkeit jeder Schmerzbehandlung ist die vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut und Patient maßgeblich. Nur so lassen sich die Risikofaktoren für eine Schmerzchronifizierung frühzeitig erkennen.
Die schmerzgeschulten Physiotherapeuten wirken als positive Verstärker: Sie motivieren, fordern Eigenverantwortlichkeit ein und nehmen Ängste, indem sie Schmerzzusammenhänge deutlich machen.
Durch die Multimodale Rückentherapie nach Beermann® erlernen die Patienten ein neues Selbstbild und Körperbewusstsein: Schmerzen werden nicht mehr unmittelbar mit einer Schädigung des Gewebes verbunden.
Wie in einer wissenschaftlichen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. J. Freiwald (Bergische Universität Wuppertal) nachgewiesen werden konnte, verringern sich während der langfristigen multimodalen Rückentherapie die Chronifizierungstendenzen (Reduktion des HKF-R10). Weiterhin zeigte sich, dass die Schmerzen sowie die damit verbundene Hilflosigkeit und Depressivität der Patienten deutlich nachließen und die psychische Belastbarkeit stieg. Die in der Studie befragten Patienten äußerten ein größeres sugjektives allgemeines Wohlbefinden bei verbesserter körperlicher Leistungsfähigkeit. Die unter Umständen noch vorhandenen Restbeschwerden beeinträchtigten den Alltag der Patienten weniger, was sich in einem niedrigeren Oswestry Low Back Pain Disability Index (ODI) und Neck Pain Disability Index (NDI) niederschlug.

